Begriffsbestimmung "Kriminologie"
 

 

Kriminologie ist heutzutage ein interdisziplinäres Konstrukt der Soziologie, Philosophie, Pädagogik, Psychologie, Ethnologie und der Rechtswissenschaften (hier insbesondere der Strafrechtswissenschaft).

Ursprünglich entstammte die Kriminologie jedoch den Naturwissenschaften, insbesondere der Biologie. Die Phrenologie sowie allgemein die biologische Anthropologie verwiesen auf genetische Ursachen des "geborenen Verbrechers" (Cesare Lombroso). Mit zunehmenden Einfluss der Genetik wird allerdings auch in letzter Zeit wieder versucht, den Erklärungswert biologischer und chemischer Ursachen des abweichenden Verhaltens größere Bedeutung beizumessen.

Raffaele Garofalo verwandte den Begriff erstmals in seiner 1885 erschienenen Monografie "Criminologia". Wörtlich bedeutet er "Lehre von der Kriminalität". Die Kriminologie ist vom Begriff her die Lehre vom Verbrechen. Die Ursachenforschung von Kriminalität spielt heute eine wichtige Rolle im Alltag. Die Kriminalitätsfurcht insbesondere älterer Menschen ist Thema der Kriminalpolitik wie auch die erhebliche Kriminalitätsbelastung von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden.

Der Begriff der Kriminologie ist vom Begriff der Kriminalistik zu unterscheiden. Beide Wissenschaften können als Hilfswissenschaft der jeweils anderen betrachtet werden. Während primäres Ziel der Kriminologie die abstrakte (also nicht auf einen bestimmten Fall bezogene) Erkenntnisgewinnung über die Ursachen und Erscheinungsformen von Kriminalität ist, beschäftigt sich die Kriminalistik mit der konkreten - praxisbezogenen - Fragestellung der Verhütung (Prävention) und Bekämpfung von Straftaten.

Kriminologie umfasst insbesondere die Kriminalitätstheorien (darunter auch die Kontrolltheorien oder "Halttheorien"); zur Kriminologie muss auch der Bereich der Sinnhaftigkeit von Strafe gestellt werden.

Wichtige Aspekte sind daneben die individuellen Akteure der Kriminalität: Der Täter und das Opfer. Das Opfer muss nicht zwingend ein Mensch sein, die Rechtsordnung selbst wird stets Opfer bei der Begehung von Straftaten.

Betrachtet man Kriminalität als Massenerscheinung, benutzt die Kriminologie auch die bekannten Kriminalstatistiken. Diese haben dann auch erheblichen Anteil an der praktizierten Kriminalpolitik, die sich mit leicht zu vermittelnden Zahlen besser verbreiten lässt, als Hinweise auf komplizierte Untersuchungen. Zentrale Begriffe hierbei sind das Hellfeld und das Dunkelfeld.

Kriminologie als Studienfach wird insbesondere als Grundlagenfach oder als Annexfach zum Strafrecht gesehen. Ein Aufbaustudiengang "Kriminologie" existiert derzeit an der Universität Hamburg (Abschluss: Dipl.-Kriminologe). Seit dem Wintersemester 2005/2006 gibt es an der Ruhr-Universität Bochum einen zweisemestrigen Masterstudiengang „Kriminologie und Polizeiwissenschaft“. Der Studiengang ist praxisbezogen und richtet sich sowohl an Bewerber mit mindestens einem abgeschlossenen rechtswissenschaftlichen Studium als auch an Personen aus den Bereichen der Polizei, Sozialarbeit sowie aus anderen Berufsfeldern mit einem geeigneten Fachhochschulabschluss und einschlägiger Berufserfahrung.

Informationen zur Kriminologie in Deutschland finden sich unter: * http://www.kriminologie.com. Eine Übersicht zu kriminologischen Institutionen in Deutschland, Europa und weltweit findet sich auf der website des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen [1](s.a. Hans-Jürgen Kerner).

Fast sämtliche Universitäten mit juristischer Fakultät besitzen einen Lehrstuhl für Kriminologie.

 

 

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Stand: 25. Februar 2008 15:39